Masuren

 

So stellt man sich Masuren vor: Wälder, Seen, Wiesen, Störche - kurzum: eine Idylle, die durch verklärende Erzählungen einen festen Platz im Kopf gefunden hat.

Dieses Masuren ist nicht mehr da, auch wenn es die Wälder noch gibt, auch die Seen und Störche, aber sie sind nur ein Teil der heutigen polnischen Wirklichkeit.

Die Idylle existiert bestimmt noch dort, wo man eben nicht mit dem Reisebus hinkommt und sowieso ein geballtes Besichtigungsprogramm zu bewältigen hat. Trotzdem meine ich, dass man das romantisierende Bild Masurens ad acta legen muss. Ein Indiz für das Verschwinden einer Kultur ist, dass man versucht, sie folkloristisch darzubieten, und da schüttelt es mich einfach.

 


Masurenseligkeit im Stundentakt.

Nein, es war nicht malerisch und authentisch schon gar nicht.

Vorgeführte Folklore ist nicht mein Ding, mal vorsichtig gesagt.

Die "lustige Bauernhochzeit" endete mit einer Polonäse und "So ein Tag, so wunderschön wie heute...".

Noch Fragen?

Manchmal erhascht man einen Moment, wie hier während einer ruhigen Flussfahrt, in der die Stille des Landes vorstellbar wird.

Natürlich wäre es noch viel schöner gewesen, wenn man allein in einem Paddel- oder Ruderboot gewesen wäre, aber wir reisten per Bus, und da muss man halt Abstriche machen.

Unsere Reisegesellschaft wurde den Fluss entlang gestakt. Wasser, Bäume, Luft - unvorstellbar grün.

Wasser? Sonne?? Das ergibt doch einen wunderbaren Spiegel! Natürlich.

Auf dem Weg zum faszinierendsten, aber düsterstem Kapitel dieser Reise gab es einen Zwischenstopp in der Barockkirche "Heilige Linde". Sehr barock. Und das in einem Landstrich, in dem die Bevölkerung heute zwar zu 97% katholisch ist, der aber bis Ende des 2. Weltkrieges evangelisch geprägt war.

Wir hörten ein kurzes Orgelkonzert von 15 Minuten; ein glasklarer Klang und ein guter Organist. Die Kirche war gedrängt voll, und es gab zu Recht anhaltenden Applaus.

Die Wolfsschanze

So groß hatte ich mir die Anlage nicht vorgestellt. Und überhaupt - wenn man tatsächlich vor Ort an diesem Schauplatz der Geschichte steht, über den man viel gelesen hat und ihn zu kennen glaubt, dann ist man überwältigt.

Riesige Bunker, deren Betonmasse nicht zu sprengen sind, zeugen von dem Wahn, einen Weltkrieg aus kleinen, lichtlosen Räumen heraus dirigieren zu wollen.

Wie wir alle wissen, ist das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 dort misslungen. Was Stauffenberg und seine Kameraden nicht erreicht haben, schafft spätestens jetzt die Natur. Sie holt sich den Ort zurück.

Das sollte ein Lehrstück für alle Diktatoren sein.

Zu dieser Reise, deren Dokumentation ich auf wenige Highlights beschränkt habe, gibt es einen viel besseren Bericht - und natürlich weitere Fotos:

http://www.obenende.com/reisen/masuren/

Unbedingt lesen und anschauen!